Ein dreijähriger Drogentrip

Ich versuche immer wieder zu verstehen und nachzuvollziehen. Wie muss es sich anfühlen, wenn man denkt, dass die ganze Welt gegen einen ist. Wie muss es sich anfühlen, wenn man denkt, dass jeder einem was böses will.
Je länger ich darüber nachdenke, desto schlechter geht es mir. Wie schrecklich muss es sein jeden Tag auszuwachen und zu denken, dass die ganze Familie einen kaputt machen will. Wie einsam muss man sich fühlen, wenn man denkt niemandem mehr vertrauen zu können.

Ich vergleiche Mamas Krankheit öfter mit einem übermäßigen Drogenkonsum, mit einen Drogentrip, einem Horrortrip. Jeder, der selbst schon mit Drogen experimentiert hat, wird wissen, was ich meine. Auch ich habe schon einige Drogen gekostet. Einen richtig schlimmen Trip hatte ich jedoch noch nie und doch habe ich durch Freunde schon genug Erfahrungen damit gemacht.

Jemand, der Drogen nimmt, zu viele Drogen kann einen Horrortrip haben. Man sieht Menschen, die nicht da sind, hört Stimmen, die kein anderer hört. Das Gehirn spielt einem vor, dass alles real ist. Man kann oft nicht nachvollziehen, dass andere nicht das gleiche empfinden oder wahrnehmen.
Man denkt, dass die anderen über einen lachen, einen nachahmen, einen hereinlegen. Aber dem ist nicht so. Die Welt um einen herum läuft normal weiter. Die anderen befinden sich in der Realität. Man selbst ist gefangen in den eigenen Gedanken, in dem, was das Gehirn einem vorspielt. Für einen selbst ist der Trip die Realität. Der Trip ist für ein paar Stunden die eigene Welt. Dann ist alles wieder vorbei. Man selbst kann realisieren und versteht. „Hey, das war nur der Trip. Wow, das hat sich so real für mich angefühlt. Aber es war nur in meinem Kopf.“

Mamas Trip dauert nicht nur ein paar Stunden an. Seit drei Jahren lebt sie in ihrer eigenen Relaität.

Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum ich ihr nicht böse, nicht nachtragend bin, egal, was sie tut oder sagt. Ich weiß, dass es für sie selbst am schlimmsten sein muss. Sie selbst leidet am meisten darunter.

Mama lebt in ihrer eigenen Welt, in der sie nichts versteht, niemandem vertraut und niemand auf ihrer Seite ist. Wie schlimm muss das nur sein für meine geliebte Mama. Meine arme Mama, für die ich nichts tun kann, für die ich selbst manchmal auf der bösen Seite stehe.

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2 Gedanken zu “Ein dreijähriger Drogentrip

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