Brief an Mama

Diesen Brief wollte ich meiner Mama vor drei Jahren zum Geburtstag geben – habe es aber nicht getan.

Liebe Mama,
als erste möchte ich, dass du diesen Brief liest, wenn du alleine bist und, dass niemand anderes diesen Brief liest. Außerdem will ich, und das ist eigentlich das allerwichtigste, dass du mir glaubst, dass alles, was in diesem Brief steht hundertprozentig wahr ist und du mir voll und ganz vertrauen kannst. Ich mein, ich bin deine Tochter und ich hoffe einfach, dass du mir glaubst. Ich sehe diesen Brief als einzige und letzte Möglichkeit unsere Familie und vor allem dich zu retten. Ich will nicht, dass du an etwas kaputt gehst, was wenigstens so weit reperabel ist, dass du damit leben kannst.
Also, als erstes Mal, sollst du wissen, dass ich alles, was du mir in den letzten Monaten erzählt hast, glaube. Ich stelle nichts davon infrage oder unterstelle dir, dass du dir etwas davon ausgedacht hast.
Genauso, wie ich dir glaube und vertraue, dass du ehrlich zu mir bist, musst du mir aber auch glauben und vertrauen.
Du hast etwas mit deiner Psyche, ein Problem, das reperabel ist, wenn du es dir selbst eingestehst, zum Arzt gehst und dir helfen lässt.
Und wenn du es dir selbst nicht glauben kannst, dann vertrau bitte, bitte, bitte mir und lass dich behandeln.
Ich weiß, du hast körperliche Schmerzen, aber wieso um alles in der Welt, sollte dich ein Arzt wieder nach Hause schicken, wenn du körperlich krank wärst? Wieso sollte dich die ganze Welt und noch dazu deine Familie fertig machen wollen? Wir waren glücklich, sehr glücklich und uns vieren hat es an nichts gefehlt. Und so kann es wieder werden, wie früher. Wenn du dir von einem Psychiater helfen lässt, wenn du mir jetzt glaubst und vertraust, dass ich dich wieder so glücklich sehen will wie früher und nicht in ein paar Monaten oder Jahren tod, weil du selber nicht rauskommst, wo du reingeraten bist. Reingeraten in eine Krankheit, eine psychische Krankheit, die jeden hätte erwischen können. Nun hat sie dich erwischt und jeder aus deiner Familie versucht dir beizustehen, aber du lässt niemanden an dich heran.
Papa ist am Ende derjenige, der alles versucht hat, um dich davon zu überzeugen, dass dir niemand auf der Welt etwas schlechtes antun will.
Und nun bin auch ich am Ende mit meinem Brief und mit dem, was ich dir zu sagen habe. Meine letzte Hoffnung, anders weiß ich mir nicht mehr zu helfen, dir nicht zu helfen, uns nicht zu helfen.
Ich liebe dich und hoffe, das weißt du. Das ist wahrscheinlich der einzige Grund mit dem ich dich überzeugen kann, mir all das hier zu glauben.
„Wie wertvoll die Gesundheit ist, erkennt man bereits daran, dass es sehr viele Krankheiten, aber nur eine Gesundheit gibt.“
Also vertrau mir und auch einem Psychologen, der dir nur helfen will und der Einzige ist, der dir helfen kann und werd wieder gesund.
Deine Tochter Izzy

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